News

Giuseppe Verdi: Don Carlo

Giuseppe Verdi: Don Carlo

Oper Leipzig
Premiere 30. September 2017
www.oper-leipzig.de

Musikalische Leitung: Anthony Bramall
Regie: Jakob Peters-Messer
Bühne: Markus Meyer
Kostüme: Sven Bindseil
Lichtdesign: Guido Petzold

weitere Aufführungen:

8. & 15.10.2017
26.11.2017
15.12.2017
24.02.2018

 

Jubiläumsspielzeit »325 Jahre Oper in Leipzig«

Als Kontrapunkt zum Reformationsjubiläum 2017 eröffnet am 30. September 2017 Giuseppe Verdis großes Historiendrama »Don Carlo« in der Regie von Jakob Peters-Messer die Opernsaison. In der tragischen Hauptfigur, interpretiert von Gaston Rivero, einem Schüler von Plácido Domingo, spiegelt sich der Konflikt aus Liebe, Macht und Politik in einer Welt, in der die katholische Kirche als Instanz die Verhältnisse kontrolliert.

In seiner wohl düstersten Oper entwirft Verdi nach Schillers gleichnamigem Drama eine klaustropho­bische Welt, in der Liebe und Gefühl vor dem Hinter­grund eines kompromisslosen Machtsystems und ­fanatischer Religiosität zum Scheitern verurteilt sind. Keine andere Oper hat Verdi so häufig redigiert wie »Don Carlo«, insgesamt erstellte er nicht weniger als sieben Versionen. In Leipzig erklingt die vieraktige Mailänder Fassung, in der Verdi die Protagonisten mit unerreichter psychologischer Sensibilität gestaltet. Regisseur Jakob Peters-Messer zeichnet in seiner Insze­nierung ein kafkaeskes Labyrinth der Zwänge, das ­unweigerlich in die Katastrophe führt – Freiheit heißt letztlich nur der Tod.

 

Verdis Don Carlo

Was ist das Besondere an dieser Oper? Geschichte spielt eine wichtige Rolle. Historische Figuren handeln vor einem historischen Hintergrund. Bei der Betrachtung von Verdis Oper im Kontext von Schillers Schauspiel überlagern sich mehrere Zeitebenen, die ein vielschichtiges Bild ergeben. Zunächst das historische Personal: Philipp II., König von Spanien, Elisabeth von Valois, seine Frau, Don Carlos, der Thronfolger, die Inquisition in Spanien, der Befreiungskampf der Niederlande – alles historische Figuren, historische Fakten. Die Zeit der Religionskriege, die Auseinandersetzung zwischen Protestantismus und Katholizismus in der Folge der Reformation, die neben religiösen auch soziale Konflikte widerspiegelt. Eine zweite Zeitebene tut sich auf mit dem ausgehenden 18. Jahrhundert, in der Schiller die Zeit Philipps II. dramatisch bearbeitet und das Thema Freiheit und Willkürherrschaft ins Zentrum rückt. Mit der Figur des Marquis Posa, der für die Niederländer eintritt und vom König „Gedankenfreiheit“ einfordert, bringt Schiller den Kampf gegen den Absolutismus sowie die Ideen der Aufklärung und der vor der Tür stehenden Französischen Revolution ein. Schließlich Verdi, der Mitte des 19. Jahrhunderts einen anderen Aspekt in den Stoff hineinträgt. Ihn interessiert, was ein Herrschaftssystem wie das Philipps II. mit den Menschen macht und vor allem, was es mit der Psyche der Menschen macht. In seiner Oper lässt uns Verdi in die Abgründe der Seele, auch in deren abgeschlossene, düstere Glut schauen. Schließlich blicken wir auf die Geschichte mit den Augen unserer Zeit, die mit autoritären Systemen wieder stärker konfrontiert wird und auch mit Religionen, die nach wie vor politische Machtansprüche stellen oder politisch instrumentalisiert werden. So wie es schon bei Philipp ist, in dessen Reich sich katholische Kirche und Inquisition mit der Staatsmacht verbünden, um eine totalitäre Herrschaft auszuüben, die nicht nur auf das Leben, sondern auch auf den Geist der Menschen zielt.

Wenn wir nun in diesem Zusammenhang nach der Reformation fragen, ist vor allem der Freiheitsbegriff der Reformation von Interesse. Das, was mit Luthers Wort „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ angesprochen wird. Luther übersetzt die Bibel und macht sie für jeden zugänglich. Seine Aufforderung ist: Mach dir dein eigenes Bild, lies den Text, trete über die Schrift in Kontakt zu Gott als eigenständiger, als selbstständiger Mensch. Und lass dir nichts vorbeten von den Priestern. Mach dir das Wort Gottes selber klar. Ein im Prinzip revolutionärer Ansatz, der auch als solcher verstanden wurde, aber den Rahmen der Religion und der heiligen Schrift nicht sprengt. Von dieser „Freiheit eines Christenmenschen“ können wir eine Linie ziehen zu der „Gedankenfreiheit“, die der Marquis Posa fordert. Nur ist dieser Freiheitsbegriff aus der Perspektive der Aufklärung ein ganz anderer, ein erweiterter. Er verlässt den Bereich der Religion und tritt ein in den Raum des Humanismus, der alle Menschen, alle Religionen und Weltanschauungen umfasst. Denn Gedankenfreiheit heißt hier: Entscheide, was du glauben willst, wie du glauben willst und damit in letzter Konsequenz, ob du überhaupt glauben willst. Und genau diese Freiheit haben die Menschen in Verdis „Don Carlo“ nicht. Im Gegenteil: Sie alle leben in einem geschlossenen System, in dem Kirche und Staat auf undurchschaubare Weise zusammenarbeiten und alles bestimmen, Verdi zeigt uns Menschen, die dadurch alle auf die eine oder andere Weise neurotisch oder schwermütig werden. Seine Sicht auf die Welt ist durch und durch pessimistisch. Die kleine Flamme der Freiheit, die Posa entzündet, erstickt hier und glüht, wenn überhaupt, nur unter der Oberfläche weiter, genauso wie die Leidenschaften, die im Verborgenen umso stärker brodeln. Selbst der König, der doch eigentlich alles bestimmt, ist angegriffen von dieser Atmosphäre des Bleiernen, des Ausweglosen. Sein Palast ist ein abgeschlossenes System von Räumen, geheimnisvoll, klaustrophobisch. Hier gibt es eigenartig verschachtelte Kabinette, Treppen ohne Ende, Türen, die ins Nichts führen. Perspektiven eines Kafka’schen Schlosses, in dem Menschen gefangen sind und sich im Kreis bewegen. Hier verwandelt sich Don Carlos von einem hoffnungsvollen jungen Mann in einen neurotisch verstörten Kronprinzen. Und so trifft Posa auf den Freund nach Jahren der Trennung. Hier setzt die Handlung an.

 

Johann Adolph Hasse: Siroe

Oldenburgisches Staatstheater
Premiere 02.12.2017

Deutsche Erstaufführung

In Kooperation mit:
Nederlandse Reisopera
Premiere 26.01.2018

Christoph Willibald Gluck: Orpheus und Eurydike

Christoph Willibald Gluck: Orpheus und Eurydike

Vereinigte Bühnen Krefeld und Mönchengladbach
Theater Krefeld
Premiere 17.02.2018


Theater Mönchengladbach
Premiere 15.06.2017
www.theater-kr-mg.de
 
Musikalische Leitung: Werner Erhardt
Regie: Jakob Peters-Messer
Bühne & Kostüme: Markus Meyer
Choreografie: Robert North

weitere Aufführungen:
30.09.2017
03.11. & 12.11.2017
13.12.2017
04.02.2018

 

Foto: Bettina Stöß

Trailer Vereinigte Bühnen Krefeld Mönchengladbach

Richard Strauss: Salome

Saarländisches Staatstheater
Premiere 14.04.2018

Jakob Peters-Messer / Bettina Stöß (Hg.): Inszenierungen

Jakob Peters-Messer / Bettina Stöß (Hg.): Inszenierungen

Jakob Peters-Messer / Bettina Stöß (Hg.)
Inszenierungen
176 Seiten
140 Farbabbildungen
Klappenbroschur
28 x 24 cm
€ [D] 34,90 € [A] 35,90 sFr 49,90
ISBN 978-3-89487-699-9

Chronologisch nach Aufführungsjahren geordnet und von einführenden Texten zu den Stücken begleitet, zeichnet das im Henschel Verlag erschienene Buch in 140 Farbaufnahmen der Theaterfotografin Bettina Stöß die künstlerische Entwicklung im Schaffen des Opernregisseurs Jakob Peters-Messer seit 2004 nach. In zwei vorangestellten Essays kommen Bodo Busse, der Intendant des Landestheaters Coburg, und die Autorin und Theaterwissenschaftlerin Micaela von Marcard zu Wort.

März 2011
Jörg Restorff (Kunstzeitung): «ein wunderbarer Fotoband, der 14 Inszenierungen des Opernregisseurs Jakob Peters-Messer Revue passieren lässt»

Mai 2011
Friedemann Kluge (Das Orchester): «Der aufwändig gestaltete Bildband stellt 14 Inszenierungen des Regisseurs Jakob Peters-Messer in begeisternden Fotografien der Theaterfotografin Bettina Stöß vor. Ihre Bilder dokumentieren die Arbeit des Regisseurs in kongenialer Weise, sind aber auch Kunstwerke sui generis. (…) Ein Opernbuch, schön, wie Oper ohne Musik nur eben sein kann!»

Juni 2011
Eberhard Kneipel (Thüringen Kulturspiegel): «Angesichts dieser faszinierenden Bilderwelt möchte man sich flugs zu einem Theaterbesuch aufmachen. Egal welches Stück gespielt wird, ob Repertoire oder Neuschöpfung, ob ausgegraben oder wiederbelebt. (…) Nicht egal, ja Bedingung wäre hingegen, dass dieser Regisseur Jakob Peters-Messer am Werke ist. Und gemeinsam mit seinem Team (…) jene kunstvollen Szenen-Kreationen geschaffen hat, die beim Zusehen die Fantasie zu tollen Sprüngen animieren, die dem Geist Nahrung geben und bei denen selbst die verstörendsten Momente ästhetischen Genuss evozieren. Tja, wir aber müssen hier bleiben, beim Buch. Doch dessen Bilder über Bilder, die Bettina Stöß aus allen Perspektiven, in eindrucksvollem Format, mit bezeichnenden Details von 14 Inszenierungen aufgenommen hat, (…) entschädigen auf ihre Weise für einen entgangenen Theaterabend, auf den sie doch so neugierig machen. (…) Die Formen und Farben, die Räume und die Requisiten, die Gestalten und die Gesten sind stets in ihrem „prägnanten Punkt“ erfasst und abgelichtet. In jenem Augenblick also, der den Zuschauer erhellt und der zum Leser spricht. Und das „Geheimnis“ dieser originellen Bühnenfantasien liegt  im Vermeiden jeglicher eindimensionaler Lesarten und Sichtweisen durch den Regisseur. Weder „Werktreue“ noch „Regietheater“ werden inthronisiert. Stilebenen aus allen Epochen beleben die Bühne und schaffen (…) reiche reizvolle Assoziationsräume. Und stets sind politische Implikationen und Situationen mitgedacht und über die Figuren „gelegt“, so dass alles Belanglose und Beliebige außen vor bleibt. Jegliche plumpe Aktualisierung und Belehrung auch. Der Zuschauer hat die Freiheit, sich selbst zu den Stücken, den Hintergründen, den Deutungen in Beziehung zu setzen. Sich sein eigenes Bild zu machen. (…) Und dem Verlag ist – nach dem Porträt-Band über Marco Arturo Marelli – mit diesem Inszenierungs-Buch über Jacob Peters-Messer erneut ein opulenter Bildband und ein großer Wurf in Richtung heutige Theaterkunst gelungen.»