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Richard Wagner: Die Walküre

Richard Wagner: Die Walküre

Theater Magdeburg
Premiere 08. September 2018
www.theater-magdeburg.de

Musikalische Leitung: Kimbo Ishii
Regie: Jakob Peters-Messer
Bühne: Guido Petzold
Kostüme: Sven Bindseil
Dramaturgie: Ulrike Schröder

weitere Aufführungen:
16. & 30. 09. 2018
14. 10. 2018
03. & 23. 11. 2018
 

DIE WALKÜRE – Erste Gedanken zu Raum und Inhalt

Grundgedanke war es, einen Raum zu finden, der ein Kunstraum ist, in dem sich der Mythos entfalten kann, und der gleichzeitig Assoziationen von Natur, Skulptur, Architektur ermöglicht. Und der den Aspekt der Zerstörung einbringt. Denn im Ring ist der Gedanke der vom Menschen gestörten und  zerstörten Natur der Ausgangspunkt von allem.

Der 1. Akt – Hundings Behausung hat noch am ehesten etwas von einem geschlossenen, allerdings noch unfertigen Raum, der sich dann öffnet und einen Einblick in Wotans Welt dahinter gibt. Überhaupt ist die Präsenz von Wotan, der die Drähte im Hintergrund zieht und sich selbst darin verfängt, immer mitzudenken. Siegmund ist sein „programmierter“ Held, der für ihn tun soll, was er selbst nicht darf: den Ring mit Gewalt zurückgewinnen. Er erzieht ihn zum Anarchisten,  zum „Autonomen“, der ausgerechnet bei Hunding, dem archaischen Ordnungshüter, landet. In der Walküre geht es neben dem tragischen Schicksal der durch Wotan fremdgesteuerten und planvoll zusammengeführten Wälsungen (Sieglinde und Siegmund) vor allem um das Scheitern dieses Plans, um Wotans Gespaltenheit, seine Kapitulation. Danach ist seine aktive Rolle für den Rest des Rings zu Ende, während Brünnhilde durch das Erleben von Liebe und Empathie zur Hoffnungsträgerin wird.

Der 2. Akt setzt den Raum des 1. Akts nach hinten fort. Er weist erste Zeichen der Auflösung und Zerstörung auf. Irgendetwas zwischen Innenraum und Außenraum, von monumentaler Wand oder auch Gebirgssilhouette. Noch gefällt sich Wotan in der Rolle des Schöpfers eines „autonomen“ Geschlechts. Doch nur zu schnell entlarvt Fricka seine Selbsttäuschung. Sie konfrontiert ihn mit dem, was er in Wirklichkeit ist: Machtmensch und Politiker, der der Welt Gesetze aufzwingt, die er selbst brechen will. Wotan trägt diesen Konflikt von Freiheit und Zwang in und mit sich aus. Quasi eine Dekonstruktion, die er an sich selbst vollzieht. Dann dreht sich die Bühne zu Siegmunds Flucht und Tod. Naturbilder erscheinen in der mystischen Szene der Todesverkündigung als Utopie oder Vergegenwärtigung des Jenseitigen. Hier erlebt Brünnhilde die Liebe zwischen Siegmund und Sieglinde und empfindet Mitleid mit dem Todgeweihten. Hier beginnt ihre Vermenschlichung, aber auch der erste Schritt zur Loslösung  und zur Emanzipation vom Vater Wotan.

Der 3. Akt ist eine freistehende, sich drehende Raum-Installation. Der zerklüftete Felsen ist gleichzeitig ein zerschossenes Haus mit aufgerissenen Zimmern. Hier sammeln die Walküren die Kriegstoten für Wotans Heer auf dem Weg nach Walhall. In diesem Bild der Zerstörung klingt die Hoffnung auf Zukunft und neues Leben in Sieglindes Hymnus auf. Der Vater-Tochter-Konflikt zwischen Wotan und Brünnhilde kommt zur Austragung und zur Lösung. Brünnhilde kann etwas von der von ihr empfundenen Empathie auf den Vater übertragen. Ein Rest Hoffnung auf den freien Helden der nächsten Generation bleibt erhalten. Eine Illusion, denn auch Siegfried wird ein Opfer von Wotans Plan und Alberichs Fluch. Die Scheinwerfer, die im 1. und 2. Akt noch eine Art Plafond bilden, sind quasi von der Decke heruntergefallen und liegen verstreut. Sie stellen das Feuer her, das die schlafende Brünnhilde einschließt, bis Siegfried kommt. Und Wotan wartet auf – das Ende.

Christoph Willibald Gluck: Orpheus und Eurydike

Christoph Willibald Gluck: Orpheus und Eurydike

Vereinigte Bühnen Krefeld und Mönchengladbach
Theater Mönchengladbach
Premiere 15. Juni 2017

Theater Krefeld
Premiere 17. Februar 2018

 
Musikalische Leitung: Werner Erhardt
Regie: Jakob Peters-Messer
Bühne & Kostüme: Markus Meyer
Choreografie: Robert North

weitere Aufführungen:
02.03.2018
14. & 22.04.2018
13.05.2018
13. & 28.06.2018
www.theater-kr-mg.de

 

Foto: Bettina Stöß

Trailer Vereinigte Bühnen Krefeld Mönchengladbach

Jakob Peters-Messer / Bettina Stöß (Hg.): Inszenierungen

Jakob Peters-Messer / Bettina Stöß (Hg.): Inszenierungen

Jakob Peters-Messer / Bettina Stöß (Hg.)
Inszenierungen
176 Seiten
140 Farbabbildungen
Klappenbroschur
28 x 24 cm
€ [D] 34,90 € [A] 35,90 sFr 49,90
ISBN 978-3-89487-699-9

Chronologisch nach Aufführungsjahren geordnet und von einführenden Texten zu den Stücken begleitet, zeichnet das im Henschel Verlag erschienene Buch in 140 Farbaufnahmen der Theaterfotografin Bettina Stöß die künstlerische Entwicklung im Schaffen des Opernregisseurs Jakob Peters-Messer seit 2004 nach. In zwei vorangestellten Essays kommen Bodo Busse, der Intendant des Landestheaters Coburg, und die Autorin und Theaterwissenschaftlerin Micaela von Marcard zu Wort.

März 2011
Jörg Restorff (Kunstzeitung): «ein wunderbarer Fotoband, der 14 Inszenierungen des Opernregisseurs Jakob Peters-Messer Revue passieren lässt»

Mai 2011
Friedemann Kluge (Das Orchester): «Der aufwändig gestaltete Bildband stellt 14 Inszenierungen des Regisseurs Jakob Peters-Messer in begeisternden Fotografien der Theaterfotografin Bettina Stöß vor. Ihre Bilder dokumentieren die Arbeit des Regisseurs in kongenialer Weise, sind aber auch Kunstwerke sui generis. (…) Ein Opernbuch, schön, wie Oper ohne Musik nur eben sein kann!»

Juni 2011
Eberhard Kneipel (Thüringen Kulturspiegel): «Angesichts dieser faszinierenden Bilderwelt möchte man sich flugs zu einem Theaterbesuch aufmachen. Egal welches Stück gespielt wird, ob Repertoire oder Neuschöpfung, ob ausgegraben oder wiederbelebt. (…) Nicht egal, ja Bedingung wäre hingegen, dass dieser Regisseur Jakob Peters-Messer am Werke ist. Und gemeinsam mit seinem Team (…) jene kunstvollen Szenen-Kreationen geschaffen hat, die beim Zusehen die Fantasie zu tollen Sprüngen animieren, die dem Geist Nahrung geben und bei denen selbst die verstörendsten Momente ästhetischen Genuss evozieren. Tja, wir aber müssen hier bleiben, beim Buch. Doch dessen Bilder über Bilder, die Bettina Stöß aus allen Perspektiven, in eindrucksvollem Format, mit bezeichnenden Details von 14 Inszenierungen aufgenommen hat, (…) entschädigen auf ihre Weise für einen entgangenen Theaterabend, auf den sie doch so neugierig machen. (…) Die Formen und Farben, die Räume und die Requisiten, die Gestalten und die Gesten sind stets in ihrem „prägnanten Punkt“ erfasst und abgelichtet. In jenem Augenblick also, der den Zuschauer erhellt und der zum Leser spricht. Und das „Geheimnis“ dieser originellen Bühnenfantasien liegt  im Vermeiden jeglicher eindimensionaler Lesarten und Sichtweisen durch den Regisseur. Weder „Werktreue“ noch „Regietheater“ werden inthronisiert. Stilebenen aus allen Epochen beleben die Bühne und schaffen (…) reiche reizvolle Assoziationsräume. Und stets sind politische Implikationen und Situationen mitgedacht und über die Figuren „gelegt“, so dass alles Belanglose und Beliebige außen vor bleibt. Jegliche plumpe Aktualisierung und Belehrung auch. Der Zuschauer hat die Freiheit, sich selbst zu den Stücken, den Hintergründen, den Deutungen in Beziehung zu setzen. Sich sein eigenes Bild zu machen. (…) Und dem Verlag ist – nach dem Porträt-Band über Marco Arturo Marelli – mit diesem Inszenierungs-Buch über Jacob Peters-Messer erneut ein opulenter Bildband und ein großer Wurf in Richtung heutige Theaterkunst gelungen.»